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Jugend und Parlament
Abgeordnete für ein Wochenende - eine Oberstufenschülerin der KGS berichtet:

 

In der Mitte des Himmelfahrtswochenendes besuchte ich Berlin als Teilnehmerin von „Jugend und Parlament“, einem Planspiel, organisiert vom Deutschen Bundestag, bei dem über 300 Schülerinnen und Schüler für vier Tage die Rolle eines Abgeordneten übernehmen und Gesetze ausarbeiten und über diese abstimmen.

Die Einladung zu dieser einmaligen Chance, einen näheren Einblick in politische Prozesse zu bekommen, erhielt ich durch die Abgeordnete Caren Marks, die ich später in Berlin dann auch traf.

Als ich in Berlin ankam, wurde mir sogleich meine Rolle zugeteilt und ich bekam zwei Stunden Zeit, mich in diese hineinzuarbeiten sowie die vorgestellten Gesetzesvorschläge kurz zu überfliegen. Und dann begann der stressige Alltag der frisch gewählten 64-jährigen Abgeordneten Prof. Naiara Nikolaisen aus Weihenstephan.

Wir begaben uns auf eine Führung durch das Reichstagsgebäude und trafen uns anschließend in den Landesfraktionen zur Vorbereitung und Besprechung der Gesetze und des weiteren Vorgehens. Erst kurz vor Mitternacht erreichten wir das Hostel.

Am nächsten Tag wählten wir Landesfraktionsvorsitzende, Fraktionsvorsitzende und teilten uns anschließend in unsere Ausschüsse auf. Verbraucherschutz stand auf meinem Plan: „Mit aller Macht Argumente gegen Bürokratie und Mehrkosten finden, die die Regierung unseren Verbrauchern und Landwirten aufbinden will.“

Am Montag arbeiteten wir weiter an Kompromissen mit den zwei Regierungsparteien, was als Oppositionspartei gar nicht mal so leicht ist…

Später am Tag traf ich mich dann mit Caren Marks und ihrem außerordentlich netten Team. Ich staunte über ihren vollen Terminplan und wie viel Zeit sie sich trotz dessen für Führungen von Jugendgruppen nehmen. Besonders lange konnte ich allerdings nicht bleiben, denn zwei Treffen meines Ausschusses und meiner Fraktion standen noch an, in denen wir an unserer Position zu den Gesetzen arbeiten mussten. Größtenteils war eine Einigung festzustellen, außer bei einem Beschluss zum Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Kriegsgebiet „Sahelien“. Dort waren die Meinungen denkbar unterschiedlich, denn hier standen Menschenleben auf dem Spiel. Für „Moral über Parteizwang“ entschieden wir uns: Jeder soll sein freies Mandat am Folgetag nutzen und nach seinen eigenen Werten abstimmen. Selbst als wir im Hostel ankamen, debattierten wir noch über die moralische Richtigkeit oder Falschheit dieses fiktiven Einsatzes. Doch egal, ob falsch oder richtig; die Entscheidung würde am Folgetag fallen müssen.

Denn nun, am letzten Tag, fand die live übertragene Debatte im Plenarsaal des Bundestages statt. Alle Sprecher, inklusive mir, hatten ihre Reden vorbereitet, ihr Jacket gerichtet und argumentierten mit aller Kraft gegen die gegnerische Meinung. Zwischenrufe, Kameras und allgemeine Nervosität erschwerten die Situation, aber dennoch war die Oppositionspartei bei den meisten Abstimmungen erfolgreich.

Anschließend durften wir den vier Abgeordneten Dr. Anton Hofreiter (B90/ Die Grünen), Dr. Carola Reimann (SPD), Michael Kretschmer (CDU/CSU) und Dr. Ditmar Bartsch (Die Linke) unter Moderation des ZDFs noch ein paar Fragen stellen, eine Chance, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Abgeschlossen wurde diese Erfahrung mit einer Spitzenrede von Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert, mit dem ich mich später auch etwas unterhalten durfte.

Und dann konnte ich die wohl stressigste und verantwortungsvollste Rolle, die ich jemals angenommen habe, ablegen.

Trotzdem werde ich die Zeit in Berlin irgendwie vermissen. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt, Angela Merkel vor ihrem Büro angetroffen und Herrn Gysi vor dem Fahrstuhl, viel debattiert und vor allem gelernt, wie viel Arbeit und Gewissenskrisen für einen Abgeordneten in den Alltag gehören.

Nochmals vielen Dank an Frau StR´ Mager, die mir die Einladung von Frau Marks hat zukommen lassen!

Bericht von Leandra Nickel (überarbeitet)